Sonntag, 9. August 2015

Meine kleine Esther

Wie so oft im Leben, besonders in Uganda, kommt an diesem Tag (Mittwoch 22. Juli) alles anders als „geplant“. Denn eigentlich wollte ich für Robert, den Schulpaten der kleinen Anita, nur ein paar Bilder von ihrem Zuhause machen, bevor ich mit den Kindern spiele gehe. 

Bei ihr Zuhause angekommen trafen Christine (eine Freundin) und ich auf Mama Anita und die beiden jüngeren Geschwister Alex und Esther. Die Mama wohnt dort alleine und scheint auch für die Versorgung der drei Kinder keine Unterstützung zu bekommen. Vom Vater weiß ich leider nur, dass er zwar auch im gleichen Dorf lebt, aber das Geld versäuft und sich nicht um die Familie kümmert.

Im Gegensatz zu ihren Geschwistern geht es Esther nicht sehr gut. Aufgrund der ärmlichen Lage der Familie scheint die noch stillende Mutter nicht genug zu Essen um sich und das Baby ausreichend zu versorgen. Mit ihren 7 Monaten bringt die Kleine gerade mal 4.5 kg auf die Waage und ist mit ihren 60.6 cm noch sehr klein. Bereits seit einer Woche hat sie Durchfall und die Speiberei und ist entsprechend dehydriert. Nachdem Sie seit gestern nun auch noch die Brust verweigert und um die 38.5 Fieber hat, beschließe ich nach kurzer Rücksprache mit Christine, Mutter und Kind umgehend ins Krankenhaus zu bringen. 

Betty, eine Krankenschwester des Dorfes begleitet uns ins Lubaga Hospital. Von dort werden wir allerdings nach einem kurzen Gespräch mit dem Arzt ins Mulago Hospital geschickt. Allerdings bitte ich den Arzt, der kleinen Esther noch etwas zu geben bevor wir fahren, da sie bereits seit einiger Zeit vor Hunger schreit und sich nicht mehr beruhigen lässt. Nach 1h am Tropf hat sie aufgehört zu schreien und schläft ein bisschen und wir können mit einem privat Taxi aufbrechen. Im Mulago Hospital angekommen, wird sie direkt stationär aufgenommen. Da es bereits in einer Stunde dunkel wird, laufe ich mit Betty noch schnell zum nächsten Shop um die nötigsten Dinge, wie Windeln und ein Bettlacken zu besorgen. Denn außer dem Bett bekommt man hier nichts vom Krankenhaus gestellt. Selbst für warm Wasser müssen wir zahlen. 



So oft wie möglich, besuche ich die Beiden im Krankenhaus und versorge sie mit den nötigsten Dingen, wie z.B. Windeln, einer Waschschüssel, Kleidung, einer Strohmatte, damit die Mama Nachts nicht länger auf dem kalten Fliesenboden unterm Kinderbett liegen muss und einer Thermoskanne für das warme Wasser.






Und so Folgen zwei Wochen im Hospital, in denen wir gemeinsam mehrere Höhen und Tiefen erleben und sich die Sorgen und kleine Lichtblicke abwechseln. 




Leider hat der kleine zierliche Körper dem Kampf gegen eine schwere Infektion nicht standhalten können und so ist sie im jungen Alter von 7 Monaten bereits wieder von uns gegangen. 



Auch wenn unsere gemeinsame Zeit viel zu kurz war hast du doch einen festen Platz in meinem Herzen.

Ruhe in Frieden meine kleine Esther.


Leider bist ist Esther, in einem Land der 3ten Welt kein Einzelschicksal... :-( 



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